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Kommentar von Jochen Fischer, Leiter FG Förderlehrkräfte Startseite
Arbeitsbelastung Arbeitsbedingungen

Maßnahmen gegen Lehrkräftemangel = Maßnahmen gegen Förderlehrkräfte

Ende Februar veröffentlichte das Kultusministerium das Gesamtkonzept für die Personalversorgung im Schuljahr 2025/2026. Während der BLLV auch positive Aspekte würdigte, bleiben doch viele Fragen. Unter anderem die, was das für die Förderlehrkräfte bedeutet.

Mit ihrem kürzlich veröffentlichten „Gesamtkonzept zur Personal- und Unterrichtsversorgung im Schuljahr 2025/2026“ zeigt Frau Staatsministerin Anna Stolz sicher mehr Realitätssinn, als einige ihrer Vorgänger. Ob und wie diese Maßnahmen allerdings Wirkung zeigen, steht auf einem anderen Blatt. Fakt ist, dass durch das „drop-down“ der Verantwortung auch der Druck auf die Organisatoren und auf die Akteure in der Unterrichtsversorgung vor Ort steigt.

Alarmierend für uns Förderlehrer:innen klingt die Ankündigung, beim Wahlunterricht und vor allem bei den Arbeitsgemeinschaften Stunden – und damit Lehrpersonal – einsparen zu wollen. Die Einsätze in der Leitung von Arbeitsgemeinschaften sind Kernaufgaben von Förderlehrer:innen im Rahmen der eigenverantwortlichen Stunden. Wie sollen die Schulleitungen dieses Personal, das grundsätzlich eigentlich für individuelle Förderung und Differenzierung vorgesehen ist, dann für eigenverantwortliche Bereiche einsetzen, wenn sie keine „förderlehrerspezifischen Stunden“ mehr zugeteilt bekommen? Hier gab es bereits in den letzten Jahren auf Grund von Kürzungen wenig bis gar keinen Spielraum an den Schulen. 

Förderlehrer:innen können und wollen nicht die grundständig ausgebildeten Grund-, Mittel- oder Förderschullehrkräfte 1:1 und ohne Aufwertung des eigenen Berufsbildes ersetzen! 

Per kultusministerieller Verfügung werden seit vielen Jahrzehnten Teile des Stundendeputats von Förderlehrer:innen in die Statistik der Lehrkräfteversorgung mit einberechnet. Aktuell 10 Stunden pro Woche – egal welches Beschäftigungsverhältnis der oder die einzelne Förderlehrer:in hat. Und das obwohl die Staatsregierung und ihr Kultusministerium eine Anerkennung dieses Personals als amtliche Lehrkräfte im Sinne des Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes ablehnen. Das Ministerium ignoriert diese Diskrepanz seit Jahren und drückt sich nun auch weiterhin um eine klare Regelung. 

Stattdessen wälzt es diesen Konflikt wieder auf die Schulämter, Schulleitungen und letztendlich auf Förderlehrer:innen ab. Es werden auf der einen Seite die offiziellen Einsatzmöglichkeiten der Förderlehrer:innen immer mehr reduziert, auf der anderen Seite wurde die Anzahl der Stunden, mit der Förderlehrer:innen als Ersatz für Grund-, Mittel- und Förderschullehrkräfte in die Statistiken und in die Unterrichtsversorgung einberechnet werden, sukzessive erhöht. Das zwingt Schulleitungen und Schulämter dazu, Förderlehrer:innen als Ersatz für fehlendes Lehrpersonal einzuplanen, was zwar Erfolg bei der Statistik zur Lehrkräfteversorgung vorgaukelt, aber Konflikte und Belastungen bei den Handelnden an den Schulen vor Ort erzeugt. Das Fatale dabei ist nämlich: Förderlehrer:innen dürfen nicht wie Grund-, Mittel- oder Förderschullehrkräfte eigenverantwortlich in benotetem Pflicht- und Wahlpflichtunterricht eingesetzt werden!

Leidtragende sind Schüler:innen und Förderlehrkräfte

Leidtragende sind hier einerseits die Schülerinnen und Schüler, denen wichtige Angebote zur Förderung und Persönlichkeitsbildung genommen werden, andererseits die Förderlehrer:innen, die in immer stärkerem Umfang als billige „Ersatz-Lehrkräfte“ für die Planungsdefizite des Kultusministeriums herangezogen werden, obwohl sie für ganz andere Aufgaben ausgebildet und eingestellt wurden. 

Wen wundert‘s da noch, dass die Anzahl der Förderlehrer:innen seit Jahren rückläufig ist? Immer weniger Förderlehrer:innen können diesen Zwiespalt und Druck durch den Missbrauch auf Weisung des Kultusministeriums ertragen. Sie steigen komplett aus, wechseln an Einrichtungen privater Träger oder müssen gesundheitsbedingt vorzeitig aus dem Dienst ausscheiden. Dass das auch Einfluss auf mögliche Interessenten für die Ausbildung als Förderlehrer:in hat, ist vermutlich bei den Verantwortlichen im Kultusministerium auch noch nicht ausreichend realisiert worden. 

Der BLLV hat Vorschläge und Konzepte mit Verbesserungen für Förderlehrer:innen parat – es braucht nur den ehrlichen Willen im Kultusministerium, diese Verbesserungen endlich auch herbeizuführen.



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