„Es gibt Redebedarf! Das hat die Umfrage bestätigt und das wurde in Gesprächen mit den Mitgliedern an mich herangetragen. Der Austausch unter den Kolleginnen war spannend und die Reaktionen auf die Umfrage ganz unterschiedlich. Besonders hat mich die Empathie und das Interesse vieler männlicher Kollegen berührt. Es hat mir auch gezeigt: Es gibt keinen Grund, etwas zu tabuisieren, was so viele Lehrerinnen und Fachkräfte an Schulen belastet. Lehrkräftegesundheit ist eine große Herausforderung, die sich direkt auf den Lehrkräftemangel auswirkt. Diese Umfrage ist ein erster Schritt auf dem Weg. Den wollen wir weitergehen”, so BLLV-Präsidentin und Schirmherrin der Umfrage Simone Fleischmann.
Wie Schule und Arbeitsmarkt profitieren können
Schon die Studie „MenoSupport” der „Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin” (HWR Berlin) hat gezeigt, dass viele Frauen wegen Wechseljahresbeschwerden ihre Arbeitszeit reduzieren oder früher in Rente gehen. Zumindest zum Teil ist dies die Folge unzureichenden Gesundheitsmanagements. Arbeitgeber, die Frauen in den Wechseljahren unterstützen, können andererseits von gut ausgebildeten, erfahrenen Mitarbeiterinnen profitieren. Um die Situation besonders im schulischen Umfeld genauer zu beleuchten, startete der BLLV im Oktober eine Umfrage unter weiblichen Mitgliedern zwischen 40 und 59 Jahren. 1.852 nahmen teil und äußerten konkrete Wünsche an den Arbeitgeber Schule, darunter „Flexible Teilzeitmöglichkeiten“, „Sensibilisierung für die Thematik in Gesellschaft und Schule (Führungskräfte, Kollegium)“, „Flexibilität im Arbeitspensum & Rücksichtnahme bei der Stundenplanung“ und „Klimatisierung der Klassenräume“ sowie „Rückzugsmöglichkeiten und gepflegte Sanitäranlagen“.
„Frauengesundheit“ als gesellschaftliche Baustelle
Der BLLV wollte auch wissen: Wo informieren sich Frauen über Wechseljahresbeschwerden? Denn nicht nur in der Arbeitswelt, sondern auch in der Medizin werden Frauen in den Wechseljahren systematisch benachteiligt. So haben beispielsweise Krankenkassen keinen Abrechnungsschlüssel für Wechseljahresbeschwerden, weshalb sich eine gründliche systematische Behandlung für Frauenärzte weniger lohnt. Auch im medizinischen Studium wird das Thema äußerst “stiefmütterlich” behandelt, wie die Gynäkologin Claudia Sievers bestätigte, die im Zuge der BLLV-Umfrage interviewt wurde. Wo informieren sich also Betroffene? Die Antwort: Nur die Hälfte (48 Prozent) informiert sich bei Fachärztinnen und Fachärzten, der Großteil bei Freunden und Bekannten.
Mehr Verständnis und Information
Die Umfrage bestätigt, dass mehr Austausch und Information zum Thema wichtig wären. Von allen Befragten gab nur eine Person an, dass sie sich mit ihrem Arbeitgeber über das Thema ausgetauscht hat. Durchaus bedenklich, wenn man berücksichtigt, dass der Frauenanteil im Lehrberuf an allgemeinbildenden Schulen in Bayern 2023 bei 74 Prozent lag. Rund 94 Prozent der Befragten gaben an, dass nie oder nur selten am Arbeitsplatz über das Thema "Wechseljahre" gesprochen wird. Zeitgleich wünschen sich 82 Prozent eine offenere Kommunikation.
Belastungen im Arbeitskontext
Die Belastungen der Wechseljahre sind vielseitig und machen sich auch im Arbeitsalltag bemerkbar. Erschöpfung (76 Prozent) und Reizbarkeit (51 Prozent) zählten zu den Symptomen, die die Befragten am meisten bei der Arbeit beeinträchtigen. Aber auch Hitzewallungen und Schwitzen (43 Prozent) sowie hormonbedingte Migräne und Kopfschmerzen (40 Prozent) machten den Teilnehmerinnen zu schaffen. Trotz Beschwerden ließen sich nur 14 Prozent der Befragten krankschreiben. Eine Krankmeldung sei oft nur mit „schlechtem Gewissen“ möglich. Insgesamt gab es unter allen Befragten ein großes Bedürfnis nach Wissen und Kommunikation zum Thema Wechseljahre.
Weitere Informationen zum Thema und den Ergebnissen
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- Die Ergebnisse der Umfrage im Detail (als PDF) können Sie
>>HIER abrufen - Das begleitende Interview mit der Gynäkologin Claudia Sievers
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