bayerische schule: Tomi, du warst in den letzten Jahren beim VBE schon in die Vorbereitung und Durchführung des beliebten Deutschen Schulleitungskongresses in Düsseldorf eingebunden. Was hat dich dazu bewogen, nun erstmals einen zusätzlichen Kongress für Schulleitungen in Bayern auszurichten?
Tomi Neckov: Der Schulleitungskongress in Düsseldorf ist mit fast 3.000 Teilnehmern die größte Veranstaltung für schulische Führungskräfte in Deutschland und für viele Schulleitungen das jährliche Fortbildungshighlight. Leider ist der Weg ins Rheinland für bayerische Kolleginnen und Kollegen recht weit, sodass nur wenige von ihnen das Angebot nutzen. Daher war es mir wichtig, ein Pendant ins Leben zu rufen, das künftig auch bei uns regelmäßig stattfinden soll.
Warum braucht es überhaupt einen Schulleitungskongress?
Das Aufgabenspektrum und auch die Rolle von Schulleitungen haben sich in den vergangenen Jahren total verändert. Der Lehrermangel und die Folgen der politischen Weltlage wirken sich massiv aus und fordern uns immens. Und das nicht nur wegen der großen Zahl der eingewanderten Kinder und Jugendlichen. Es stellt auch eine sehr große Herausforderung dar, diese in das schulische Miteinander zu integrieren und sie adäquat zu beschulen. Schulleitungen sind damit immer mehr zu Krisenmanagern geworden. Zudem arbeiten Schulen immer eigenverantwortlicher in immer größer werdenden Netzwerken. Die Rolle der Schulleitungen ist deutlich aufgewertet, damit ist aber auch die Verantwortung gestiegen. Das trifft ebenso auf die Rechenschaftspflicht zu, die Schulen gegenüber der Administration und der Öffentlichkeit wahrnehmen. Viele Schulleitungen fühlen sich auf diese Aufgaben nicht ausreichend vorbereitet.
Und wie hilft der Kongress dabei?
Der Schulleitungskongress zeigt praxisnah, wie man in Krisen agiert und führt, wie moderne Schule funktionieren kann, aber auch, wie pädagogische Führungskräfte aus unterschiedlichen Regionen und Schularten besonders bei Managementaufgaben wie Personalführung oder Qualitätsmanagement voneinander lernen können. Aus der Schulforschung wissen wir, dass die Voraussetzung für das gute Gelingen einer Schule eine Schulleitung ist, die besondere Fähigkeiten im Bereich der Qualitäts- und Personalentwicklung hat. Wir freuen uns daher, dass wir führende Referenten aus dem Inland und dem europaweiten Ausland gewinnen konnten. So wird zum Beispiel Prof. Dr. Stephan Huber, Leiter des Instituts für Bildungsmanagement und Bildungsökonomie (IBB) an der Pädagogischen Hochschule Zug über strategisches Handeln in der Schulleitung und über Schulentwicklung sprechen. Das ist auch das Kernthema von Helmut Klemm, dem Rektor der Eichendorffschule Erlangen.
Was ist dein persönliches Highlight?
Wir konnten als Keynote-Speaker den deutsch-französischen Juristen und Autoren Prof. Dr. jur. Dr. phil. Michel Friedman gewinnen. Er wird über Antisemitismus als Herausforderung für Gesellschaft und Schule sprechen. Denn das ist durch die derzeitige Lage ja leider wieder zu einem brandaktuellen Thema geworden. Zudem haben wir unsere neue Kultusministerin Anna Stolz eingeladen, um mit ihr über die derzeitigen Herausforderungen an den Schulen zu diskutieren. Noch ein paar weitere sehr lohnenswerte Überraschungen warten auf die Kolleginnen und Kollegen.
Die meisten Schulleitungen sind bereits über die Maßenbeschäftigt. Warum sollten sie sich trotzdem die Zeit fürdiesen Tag nehmen?
Weil es ihnen in ihrem Arbeitsalltag sonst ständig so gehen wird wie dem Bauern mit dem berühmten Hühnerzaun: Er hat keine Zeit, sich um die Reparatur zu kümmern, weil er die Hühner einfangen muss. Vor allem Führungskräfte sollten sich unbedingt die Zeit nehmen, sich weiterzubilden und auch,sich zu vernetzen. Natürlich gibt es in Dillingen oder auch vor Ort hervorragende Angebote. Aber so viel Expertise zum selben Zeitpunkt am selben Ort gibt es in Bayern wohl sonst kein zweites Mal.
Die Fragen stellte Steve Bauer, Chefredaktion bayerische schule
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